Eine neuer Münztyp aus Apollonia am Rhyndakos[*]
Zusammenfassung:
Unter den Fundmünzen aus Apollonia am Rhyndakos kam 2024 ein
neuer Münztyp zutage. Es handelt sich um eine lokale Prägung aus
der Frühzeit des Commodus, die Apollon, den Hauptgott der Stadt,
zusammen mit Artemis zeigt. Der Vorderseitenstempel mit dem
Kaiserbild ist bekannt, die Rückseite weicht von den bisher
bekannten Typen ab, passt sich inhaltlich aber gut ins übrige
Typenrepertoire der Stadt ein.
Schlagwörter:
Kaiserzeitliche Städteprägungen;
Fundmünzen;
Apollonia am Rhyndakos
Abstract:
A new Roman provincial coin type was discovered in 2024 amongst
the coins found at Apollonia ad Rhyndacum. It is a local issue
from the early reign of Commodus, depicting Apollo, the city’s
principal deity, together with Artemis. The obverse die bearing
the emperor’s portrait is known; the reverse differs from
previously known types, but fits well into the city’s wider
repertoire of coin types.
Key Words:
Roman Provincial coins; coins finds; Apollonia ad Rhyndacum
Özet:
2024 yılı Apollonia ad Rhyndacum kazılarında bulunan sikkeler
arasında yeni bir Roma eyalet sikke türü keşfedilmiştir. Sikke,
Commodus’un erken dönem hükümdarlığına ait yerel bir basım olup,
şehrin baş tanrısı Apollon’u Artemis ile birlikte tasvir
etmektedir. İmparatorun portresini taşıyan ön yüz kalıbı
bilinmektedir; arka yüz daha önce tanınan türlerden farklı olup
tip açısından şehirde kullanılan repertuar ile uyum
içerisindedir.
Vorbemerkung
Antike Münzen haben sich in riesigen
Quantitäten erhalten. Im Vergleich zu anderen Objektgattungen
sind sie trotz der Menge bereits gut aufgearbeitet und
systematisiert; der Typenbestand kaiserzeitlicher Münzen gilt
als nahezu vollständig überliefert[1].
Gerade im Bereich der sog. Roman Provincials, der Lokalprägungen
im kaiserzeitlichen Osten, wird aber immer wieder einmal ein
neuer Typ oder eine neue Variante bekannt – meist über den
Münzhandel, sodass Herkunftsinformationen fehlen und solche
neuen Stücke nur ikonografisch ausgewertet werden können. Dass
darunter auch Fälschungen sind, ist nicht auszuschließen[2].
Umso bedeutender ist es, wenn ein neuer Münztyp aus gesichertem
Grabungskontext stammt. Eine solche Münze wird in diesem Beitrag
vorgestellt: Es handelt sich um einen Einzel- bzw. Siedlungsfund[3],
eine kaiserzeitliche Lokalprägung aus der mysischen Stadt
Apollonia am Rhyndakos, die 2024 bei archäologischen Grabungen
am Ort gefunden wurde.
Fundort und Fundumstände
Das antike
Apollonia am Rhyndakos,
heute Gölyazı, liegt auf der Südspitze einer schmalen Landzunge
im Nordosten des
Uluabat Gölü (auch Apolyont Gölü), eines
gut 130 km2 großen Sees westlich von Bursa. Trotz
ihrer naturräumlich reizvollen Lage ist Apollonia am Ryndakos,
eine Grenzstadt zwischen den Regionen Bithynien und Mysien,
nicht in dem Maße bekannt, wie sie es verdiente. Mit Andreas
Abmeiers antiquarischen Studien lassen sich erste moderne
Forschungen zur antiken Stadt Apollonia am Ryndakos fassen; in
seinem 1990 erschienenen Artikel wird die Geschichte der Stadt
anhand antiker schriftlicher und epigrafischer Quellen
ausführlich besprochen[4].
Das Interesse an den archäologischen Hinterlassenschaften, das
im 19. Jahrhundert mit Reisenden wie Philippe Le Bas und Salomon
Reinach begonnen hatte[5],
wurde erst Anfang der 2000er Jahre mit Feldforschungen wieder
aufgenommen. Die ersten archäologischen Untersuchungen in der
antiken Stadt waren Surveys, die zwischen 2002 und 2010 unter
der Leitung von Serdar Aybek durchgeführt wurden (Abb. 1)[6].
Wissenschaftliche Ausgrabungen in der antiken Stadt begannen
2016 unter der Leitung von Mustafa Şahin im Auftrag des
Archäologischen Museums Bursa[7].
Ab 2021 folgte die zweite, noch laufende Ausgrabungsperiode
unter der Leitung von Derya Şahin.
Am Südwesthang des Zambak-Hügels
liegt das Theater (Abb. 1), das in griechischer Tradition
den leichten natürlichen Anstieg des Geländes für den
Zuschauerraum nutzt. Auch wenn die Strukturen des Baus gut
erkennbar sind, hat sich nur wenig aufgehendes architektonisches
Material erhalten, denn die meisten Bausteine des Theaters
wurden als Spolien in der Stadtmauer wiederverwendet. Die
Ausgrabungen im antiken Theater begannen im Jahr 2021 während
der zweiten Grabungsperiode unter der Leitung von Derya Şahin (Abb.
2). Bislang konnten die gesamte östliche und westliche
Parados-Mauer und die Orchestra mit einem Radius von 18 Metern
freigelegt werden. Hellenistische und römerzeitliche Funde sowie
der spätere Einbau einer Brüstung zwischen Orchestra und Cavea
lassen auf zwei Bauphasen schließen: Das ursprünglich im
Hellenismus errichtete Theater wurde in der römischen Kaiserzeit
architektonisch umgestaltet[8].


Während der Arbeiten im westlichen
Parodos des antiken Theaters (Abb. 3) wurde 2024 im
Sektor BP-1, im Bereich der nördlichen Erweiterung eine Münze
(Inv.-Nr. AR24_TYTR_N01)
gefunden, die sich zwar in das bekannte Bildrepertoire der
städtischen Prägungen gut einfügt, aber dennoch einen bislang
unbekannten Typ zeigt. Die Münze war ein Oberflächenfund, sie
stammt aus einer Versturzschicht, die sich von den
Zuschauerreihen in den seitlichen Zugang erstreckte und die
kaiserzeitlich zu datieren ist.
Die neue Münze
Vs. ΑΥ ΚΑ[Ι
Μ ΑΥΡΗ]
ΚΟΜ[ΜΟΔΟC]. Drapierte Panzerbüste des jugendlichen
Commodus nach rechts, mit Lorbeerkranz, in der Rückenansicht
Rs. [ΑΠΟΛΛ]ΩΝΙΑΤΩΝ
[Π]ΡΟC [ΡΥΝ]ΔΑ.
Nackter Apollon steht im Kontrapost frontal mit
leichter Wendung nach rechts, die Beine überschlagen, den linken
Unterarm hat er auf eine kleine Säule aufgestützt, die rechte
Hand in die Hüfte gestemmt. Ihm gegenüber und ihm zugewandt
steht Artemis in einem kurzen gegürteten Gewand mit Stiefeln,
die rechte Hand angewinkelt und erhoben, in der gesenkten linken
Hand ein unklarer Gegenstand, ein vierbeiniges Tier zu ihren
Füßen
Die etwas beriebene Rückseitenlegende
[ΑΠΟΛΛ]ΩΝΙΑΤΩΝ [Π]ΡΟϹ ΡΥΝ]ΔΑ
lässt sich problemlos ergänzen und weist das Stück der lokalen
Münzstätte zu, in der ein Großteil der Münzbilder Bezug nimmt
auf Apollon. Unterschiedliche Darstellungsweisen[9]
sprechen für verschiedene Aspekte des Stadtgottes, der sein
Hauptheiligtum auf einer kleinen Insel im Ulubat Gölü hatte, auf
der Kız Adası, etwas vor dem eigentlichen Stadtgebiet gelegen[10].
Verwendet wurde auf der neuen Münze ein für Apollonia am
Rhyndakos geläufiges Standmotiv, das leicht abgeändert wurde:
Der nackte ›angelehnte Apollon‹, der seinen linken Oberarm auf
eine niedrige Säule stützt, findet sich seit Domitian im
Repertoire von Apollonia und reicht bis zum Ende der städtischen
Prägung unter Gallienus, Ausrichtung und Ansichtsseite können
variieren[11].
Üblicherweise hat der Gott den anderen, den rechten Arm
zurückgenommen und hält ihn leicht angewinkelt erhoben. In
diesem Schema findet er sich solitär (Abb. 5) oder
regelmäßig auch im Tempel (Abb. 6), was für einen Hinweis
auf das lokale Kultbild spricht[12].
Abb. 6 (Mitte): Apollon im Tempel (Berlin, Objektnummer 18269198 = RPC IV,2 Temp. Nr. 437/1)
Abb. 7 (rechts): Apollon mit Python (Berlin, Objektnummer 18269329 = RPC IV,2 Temp. Nr. 439/1)
Eine Variante des Standmotivs kennen
wir von Prägungen, auf denen Apollon mit der Schlange Python
erscheint (Abb. 7)[13]:
Hier steht der Gott entspannt, den rechten Fuß locker vor das
linke Standbein gelehnt, mit seinen rechten Ellbogen bzw.
Unterarm stützt er sich auf die Säule, in der Hand hält er den
Bogen, mit dem er Python erlegt hat (der todbringende Pfeil
steckt im Kopf der Schlange), den linken Arm hat er
zurückgenommen und angewinkelt, die Hand an die Hüfte gestützt.
Es ist genau diese Haltung, die uns auch auf der neuen Münze
begegnet – nur spiegelbildlich in die andere Richtung
orientiert. Die Fundmünze aus Apollonia zeigt das einander
zugewandte Geschwisterpaar Apollon und Artemis: Hier treffen
zwei Gottheiten aufeinander, die miteinander agieren, keine
starren Kultbilder. Der nackte Apollon begegnet uns ohne weitere
Attribute, Artemis trägt ein kurzes Gewand und wird von einem
vierbeinigen Tier begleitet, vermutlich einem Hund[14].
Die Objekte in den Händen der Göttin sind nicht erkennbar, sie
hält die Rechte erhoben, evtl. mit einem Kranz, die Linke
gesenkt, mit einer kurzen Fackel oder einem Pfeil. Beide
Attribute würden nach Apollonia passen, Klarheit können hier nur
weitere stempel- oder typengleiche Exemplare liefern. Eine
Deutung als eine ›lebendigere‹ Schilderung des
»Artemis-bekränzt-ihren-Bruder«-Typus, der sich seit Marc Aurel
wiederholt auf sesterzgroßen Bronzen findet (Abb. 9)[15],
liegt nahe. Dafür spricht neben der Kombination der beiden
Geschwister und dem angenommenen Kranz in Artemis’ Hand auch
Apollons Standmotiv, das wir von den Prägungen mit dem erlegten
Python kennen (Abb. 7)). Der konkrete pythische Aspekt der
Drachenbezwingung gehört wiederum auch zu den Großbronzen mit
der Bekränzungsszene. Unsere (geldwerttechnisch und motivisch
reduzierte) Variante bleibt jedoch ein Unikat – möglicherweise,
weil diese Zweifigurengruppe bereits als Marker für ein deutlich
größeres Nominal eingeführt war.
Abb. 9 (rechts): Apollon & Artemis unter Severus Alexander (Kunsthistorisches Museum Wien, Inv. GR 16080 = RPC VI Temp. No. 4164)
Während der Rückseitenstempel unserer
Fundmünze eine neue Spielart präsentiert, ist der
Vorderseitenstempel von anderen Prägungen aus Apollonia am
Rhyndakos bekannt (Abb. 10). Er zeigt den jugendlichen
Commodus mit leichtem Bartflaum; die Legende
AV KAI M AVPHΛ – KOMMOΔOC nennt den
Imperatoren-, aber nicht den Augustustitel; es wurde bereits
Marcus als Praenomen verwandt, und auch der Lorbeerkranz weist
auf den neuen selbstständigen Status des jungen Kaisers ab 180
n. Chr.[16].
Vorderseitenstempel wurden beim Prägevorgang weniger beansprucht, mussten also seltener ausgetauscht werden, gleichwohl ist es auffallend, wie viele verschiedene Rückseitenmotive mit diesem einen Vorderseitenstempel kombiniert wurden. Alle bislang erhaltenen Stücke gehören zu einer kleinen Emission in drei Nominalstufen (28mm / 26 mm / 21 mm), die in der Frühzeit der Alleinherrschaft des Commodus ausgegeben wurde; auf allen drei Nominalen fehlt dem Kaiser der Augustus-Titel. Es blieb die einzige, aber was Stempelqualität und Innovationspotenzial anlangt, sehr hochwertige Emission unter Commodus in Apollonia[17]. Auf den 28 mm-Stücken kombinierte man verschiedene Szenen aus dem vielschichtigen Apollon-Kontext mit derselben Vorderseite, neben unserem neuen Typ (Abb. 10a) sind es Apollon mit Daphne (Abb. 10b) sowie Apollon mit aufgestütztem Fuß und einem Raben (Abb. 10c).
=
=
=

Ausblick
Die bisherigen Münzfunde im Theater
reichen von hellenistischer bis in byzantinische Zeit. Es
handelt sich um Einzelfunde aus verschiedenen Schnitten und
Schichten[18],
die mit den Fundmünzen aus dem übrigen Stadtgebiet korrelieren[19].
Das zeitliche Spektrum ist groß, was für eine lange
Nutzungsdauer des Ortes spricht. In ihrer regionalen Verteilung
ist die Zusammensetzung des numismatischen Fundmaterials nicht
überraschend, denn die Münzen stammen großenteils aus Apollonia
selbst und der näheren Umgebung, was jeweils für regionalen
Geldumlauf spricht[20].
Noch bleibt der Befund aufgrund der geringen Gesamtanzahl an
dokumentierten Fundmünzen wenig aussagekräftig[21].
Der Anteil der Lokalprägungen aus Apollonia selbst unter den
Funden ist erwartungsgemäß hoch; darunter sind einige bislang
seltene Stücke und mit unserer Münze ein ganz neuer Typ[22],
der das bisherige Typenspektrum der Stadt stimmig erweitert, wir
dürfen gespannt sein, was weitere Grabungen zutage fördern.
[*] Das Manuskript wurde durch ein Forschungsprojekt der Universität Bursa Uludağ (Türkei) unter der Nummer SOA-2022-1127 (»Antik Kentlerin Kurulmasında İnancın Rolü: Apollonia A.R. Örneği”« [»Die Rolle des Glaubens bei der Gründung antiker Städte: Das Beispiel von Apollonia a.R.«]) unterstützt.
[1] »Roman Imperial
Coinage« (RIC) fasst die Typen der römischen
Reichsprägung zusammen, eine digitale Fassung wird unter
numismatics.org/ocre
bereitgestellt. Lokale und provinziale Münzen, die im
Osten des Römischen Reichs als geldwirtschaftliche
Komplemente dienten, werden im Projekt »Roman Provincial
Coinage« (RPC) aufgearbeitet; Bde. I–III; IV,3; VII,1–2
und IX liegen gedruckt vor, digitale Versionen in
unterschiedlichem Aufarbeitungsstand stehen für alle
Teilbände unter
rpc.ashmus.ox.ac.uk zur
Verfügung. Für die Landschaften Thrakien und Moesien
sowie Mysien und die Troas steht zudem das Corpus
Nummorum
www.corpus-nummorum.eu zur
Verfügung.
[2] Kreative
Neuerfindungen, die sich gut in das Typenrepertoire
einpassen, aber trotzdem (scheinbare) Innovationen
bringen, hat es immer gegeben; die technischen
Fertigkeiten von Fälschern werden immer ausgefeilter,
was es immer schwieriger macht, Fälschungen von
authentischen Stücken zu unterscheiden.
[3] Zur
Abgrenzung der Begrifflichkeiten in der Fundnumismatik
Thüry 2016, bes. 3–5. 140–150.
[4] Abmeier 1990,
1–16.
[5] LeBas – Reinach
1888, 38–40 mit Taf. 47, s. auch Aybek – Dreyer 2016, 11
f.
[6] Aybek – Öz 2004, 1
-25; Aybek – Öz 2008, 285 - 298; Aybek – Öz 2009, 327 -
342; Aybek – Öz 2010, 313 - 328; Aybek-Dreyer 2016.
[7] Şahin 2016,
174–177.
[8] Şahin u. a. 2022,
579–602; Şahin 2023, 135–139; Şahin 2024, 305–311; Arın
Ensarioğlu u. a. 2024, 220. Das Diazoma unterteilte die
Cavea in zwei Ränge; eine Rekonstruktionszeichnung
findet sich bei Şahin 2023, 148 Plan 2. Das Ausmaß der
Cavea mit 75 m bereits z. B. bei Aybek – Öz 2008, 289
und Aybek – Dreyer 2016,
27.
[9] Neben dem
›angelehnten Apollon‹ begegnen der Kitharöde, Apollon
mit aufgesetztem Fuß und Rabe, als Python-Bezwinger
sowie die Schilderung des Daphne-Mythos, s.u. von Fritze
1913, 65 f. und Martin in Druck. Üblicherweise ist
Apollon nackt, nur als Kitharöde trägt er ein Gewand,
einige Szenen zeigen ihn mit wehender Chlamys an der
Schulter.
[10] Hasluck 1910, 71;
Aybek-Dreyer 2016, 20–23. Der Tempel konnte in der
Antike offenbar nur per Boot erreicht werden. Zu den
derzeit laufenden Arbeiten durch Derya
Şahin und ihr Team:
Şahin – Şahin 2025, 203–219.
[11]
Unter Domitian
RPC II Nr. 876;
unter Gallienus:
RPC X unassigned ID 61850
und
ID 61855); s.
auch Corso 2022, 413.
[12] Apollon
im Tempel findet sich von Antoninus Pius (RPC
IV,2 Temp. Nr. 425) und Marc
Aurel (RPC
IV,2 Temp. Nr. 437) über
Septimius Severus (mit dem Porträt des jungen Caracalla:
RPC V,2 unassigned ID 898),
Geta (RPC V,2
unassigned ID 699)
und Caracalla (RPC
V,2 unassigned ID 1145),
Maximinus Thrax (RPC
VI Temp. Nr. 4168), Gordian III.
(RPC
VII,1 Nr. 66),
Philippus Arabs (RPC
VIII unassigned ID 20090)
bis Gallienus (RPC
X unassigned ID 61855);
s. auch Corso 2022, 410 f. 414. Dass der
Tempel auf der Münze vier Säulen hat, folgt
numismatischen Konventionen (Reduktion der Säulenanzahl
und Verbreiterung des Mitteljochs, um das Kultbild
sichtbar zu machen) und lässt nicht auf die tatsächliche
Architektur schließen.
[13]
RPC IV,2 Temp. Nr. 439
(Vs. Faustina II.);
RPC V,2 unassigned ID353
(Vs. Julia Domna) und
RPC V,2 unassigned ID 1144
(Vs. Macrinus).
[14] Ob es sich um
einen Jagdhund oder einen Hirsch handelt, ist aufgrund
des Erhaltungszustandes nicht klar. Das hochbeinige Tier
steht in Bewegungsrichtung nach links – entweder mit
Blick nach links auf Apollon (dann wäre theoretisch ein
Geweih an der beriebenen Fläche zwischen beiden
Gottheiten ergänzbar), vermutlich aber mit
zurückgewandtem Kopf. In diesem Fall wäre für ein Geweih
kein Raum, sodass das Tier eher als Hund zu lesen ist.
Wäre das Tier in ein lokales Narrativ eingebunden, wäre
eine Orientierung auf Apollon vorstellbar.
Wahrscheinlicher ist aber durch eine Rückwendung des
Kopfes die Zugehörigkeit zu Artemis.
Artemis findet sich im
kaiserzeitlichen Apollonia nur selten auf den
städtischen Münzen und ohne tierischen Begleiter:
abgesehen von den Großbronzen, auf denen sie ihren
Bruder bekränzt, nur bei
RPC IV,2 Temp Nr. 429.
RPC IX Nr. 537A
zeigt eine fackeltragende Göttin, die als Artemis
Phosphoros bezeichnet wird (in hellenistischer
Tradition, s.
CN Typ 13140, wo
Artemis mit einer Tellerfackel kombiniert wird). Wegen
der (räumlichen und numismatischen) Nähe zu Kyzikos (die
auch Hasluck 1906, 26. 29–32 hervorhebt) aber auch als ›suchende
Demeter‹ verstanden werden könnte (die Kombination
›Fackeln und Demeter‹ ist in Apollonia in
hellenistischer Zeit ebenfalls geläufig, s.
CN Typ 13053).
[15]
RPC IV,2 Temp Nr. 426
(Vs. Marc Aurel); RPC
RPC V,2 unassigned ID 147
(Vs. Geta);
RPC VI Temp Nr. 4164
(Vs. Severus Alexander);
RPC VI Temp. Nr. 4167
(Vs. Maximinus Thrax). Dieser Typ findet
sich ausschließlich auf dem größten Nominal, das
die Stadt ausgegeben hat.
[16] 17.
März 180 als dies imperii, Wechsel des Praenomens
von Lucius zu Marcus im Oktober 180, dazu
Kienast u. a. 2017, 140.
[17]
Die Vorderseitenstempel der verschiedengroßen
Nominale sind äußerst ähnlich und scheinen von derselben
Hand geschnitten zu sein; außerdem weisen sie dieselbe
Besonderheit bei der Schreibung des Kaisernamens auf:
Beim Kappa von ΚΟΜΜΟΔΟC
verspringen die unteren Hasten nach unten. Die Motive
Liknophoros (RPC
IV,2 Temp No. 25051 wurden einmalig
und Pan mit Ziege (RPC
IV,2 Temp No. 945) erstmals in
dieser Emission ausgegeben.
[18] Jeweils
vier Stücke stammen aus dem östlichen Parodos und dem
Bereich der Orchestra, die übrigen aus verschiedenen
Einzelbefunden.
[19] Akrın 2024
behandelt u. a. die 24 während der Kampagnen 2016–2023
am Ort gefundenen Münzen. Sein Fokus bei der
inhaltlichen Auswertung liegt auf der Lokalprägung von
Apollonia, daher berücksichtigt er im Katalog auch die
städtischen Münzen im zuständigen Museum von Bursa
(wohin regionale Funde verbracht werden) sowie sonstige
publizierte Münztypen aus Apollonia.
Knapp die Hälfte der
bestimmbaren Fundmünzen aus dem
Theater sind kaiserzeitliche Stücke aus
Apollonia am Rhyndakos selbst: AR22-N2 und AR25-N7 (RPC
III Nr. 1598B), AR23-N15 (RPC
IV,2 Temp Nr. 431), AR23-N20 (RPC
X unassigned ID 61855), AR23-N17
(RPC
X unassigned ID 61856).
Dazu kommen postume
Alexanderbronzen aus den Münzstätten Amphipolis
(AR21-N2) und Pella (AR23-N18), eine Bronze des
Bithynischen Königs Prusias II. (AR23-N16),
kaiserzeitliche Prägungen aus Aizanoi (AR22-N4 und
AR25-N15), römische Reichsprägung des 3./4. Jhs. n.
Chr.: Diocletian/Münzstätte Herakleia (AR23-N19),
Constantinopolis-Prägung/Münzstätte Herakleia oder
Nikomedeia (AR25-N3) sowie byzantinische Prägungen aus
Constantinopolis (AR23-N31, AR23-N14, AR25-N1 und
AR25-N2). Dazu kommt ein neuzeitlicher Nürnberger
Rechenpfennig aus dem 19. Jahrhundert (AR23
– N12).
[20] Das passt zu den
Anmerkungen von Hasluck 1906, der im Gebiet um Kyzikos
herum zu Beginn des 20. Jhs. Münzen erworben hatte;
anhand des ›Angebots‹, das auf lokale Funde zurückging,
schloss er auf regionale Umlaufgebiete.
Methodisch in eine ähnliche Richtung
geht die Auswertung der Münzsammlung von Jean und Louis
Robert, die alle Erwerbungsorte während ihrer
Forschungsreisen durch Kleinasien 1932–1963 genau
dokumentiert hatten, s. dazu die Visualisierungen mit
Karten von Fabrice Delrieux (»To Robert, however, the
inherent interest of a coin lay not in its state of
preservation or style, but its place of issue and place
of acquisition; for he reasoned that since such pieces
were never likely to have strayed far from their place
of origin, their discovery would often provide clues as
to the site of otherwise unlocated settlements and the
actual range of circulation«, so Stanley Ireland in
seiner Rezension von Delrieux 2011 in The Classical
Review, N.S. 63/1, April 2013, S. 241).
[21] Zur
Bedeutung der Fundmünzen für Fragen nach dem Münzumlauf
im kaiserzeitlichen Kleinasien (die sich nach Bedeutung
der Städte und dem Stand der Münzfund-Dokumentation
richtet), s. Çizmeli-Öğün – Marcellesi 2011, s.
bes. 328–342 die Karten Abb. 2–14; Howgego 2014.
[22] Neben unserer
neuen Münze sind auch die beiden hadrianischen Münzen
mit Apollon als Kitharöden AR22-N2 (FO: Abschnitt 8İ,
bei Akrın 2024, 61 Kat. Nr. 11 noch unter Nerva
gelistet) und AR25-N7 (FO: Nordseite des Bühnengebäudes)
(=
RPC III Nr. 1598B) im RPC online
erst 2025 als nachträgliche Ergänzung verzeichnet und
bislang nur durch eine Münze aus dem Handel bekannt
gewesen.