Eine neuer Münztyp aus Apollonia am Rhyndakos[*]

von Mustafa Şahin und Katharina Martin

Zusammenfassung: Unter den Fundmünzen aus Apollonia am Rhyndakos kam 2024 ein neuer Münztyp zutage. Es handelt sich um eine lokale Prägung aus der Frühzeit des Commodus, die Apollon, den Hauptgott der Stadt, zusammen mit Artemis zeigt. Der Vorderseitenstempel mit dem Kaiserbild ist bekannt, die Rückseite weicht von den bisher bekannten Typen ab, passt sich inhaltlich aber gut ins übrige Typenrepertoire der Stadt ein.

Schlagwörter: Kaiserzeitliche Städteprägungen; Fundmünzen; Apollonia am Rhyndakos

Abstract: A new Roman provincial coin type was discovered in 2024 amongst the coins found at Apollonia ad Rhyndacum. It is a local issue from the early reign of Commodus, depicting Apollo, the city’s principal deity, together with Artemis. The obverse die bearing the emperor’s portrait is known; the reverse differs from previously known types, but fits well into the city’s wider repertoire of coin types.

Key Words: Roman Provincial coins; coins finds; Apollonia ad Rhyndacum

Özet: 2024 yılı Apollonia ad Rhyndacum kazılarında bulunan sikkeler arasında yeni bir Roma eyalet sikke türü keşfedilmiştir. Sikke, Commodus’un erken dönem hükümdarlığına ait yerel bir basım olup, şehrin baş tanrısı Apollon’u Artemis ile birlikte tasvir etmektedir. İmparatorun portresini taşıyan ön yüz kalıbı bilinmektedir; arka yüz daha önce tanınan türlerden farklı olup tip açısından şehirde kullanılan repertuar ile uyum içerisindedir.

Anahtar Sözcükler: Roma İmparatorluk Dönemi şehir sikkeleri, sikke buluntuları; Apollonia ad Rhyndcum

 

Vorbemerkung

Antike Münzen haben sich in riesigen Quantitäten erhalten. Im Vergleich zu anderen Objektgattungen sind sie trotz der Menge bereits gut aufgearbeitet und systematisiert; der Typenbestand kaiserzeitlicher Münzen gilt als nahezu vollständig überliefert[1]. Gerade im Bereich der sog. Roman Provincials, der Lokalprägungen im kaiserzeitlichen Osten, wird aber immer wieder einmal ein neuer Typ oder eine neue Variante bekannt – meist über den Münzhandel, sodass Herkunftsinformationen fehlen und solche neuen Stücke nur ikonografisch ausgewertet werden können. Dass darunter auch Fälschungen sind, ist nicht auszuschließen[2]. Umso bedeutender ist es, wenn ein neuer Münztyp aus gesichertem Grabungskontext stammt. Eine solche Münze wird in diesem Beitrag vorgestellt: Es handelt sich um einen Einzel- bzw. Siedlungsfund[3], eine kaiserzeitliche Lokalprägung aus der mysischen Stadt Apollonia am Rhyndakos, die 2024 bei archäologischen Grabungen am Ort gefunden wurde.

 

Fundort und Fundumstände

Das antike Apollonia am Rhyndakos, heute Gölyazı, liegt auf der Südspitze einer schmalen Landzunge im Nordosten des Uluabat Gölü (auch Apolyont Gölü), eines gut 130 km2 großen Sees westlich von Bursa. Trotz ihrer naturräumlich reizvollen Lage ist Apollonia am Ryndakos, eine Grenzstadt zwischen den Regionen Bithynien und Mysien, nicht in dem Maße bekannt, wie sie es verdiente. Mit Andreas Abmeiers antiquarischen Studien lassen sich erste moderne Forschungen zur antiken Stadt Apollonia am Ryndakos fassen; in seinem 1990 erschienenen Artikel wird die Geschichte der Stadt anhand antiker schriftlicher und epigrafischer Quellen ausführlich besprochen[4]. Das Interesse an den archäologischen Hinterlassenschaften, das im 19. Jahrhundert mit Reisenden wie Philippe Le Bas und Salomon Reinach begonnen hatte[5], wurde erst Anfang der 2000er Jahre mit Feldforschungen wieder aufgenommen. Die ersten archäologischen Untersuchungen in der antiken Stadt waren Surveys, die zwischen 2002 und 2010 unter der Leitung von Serdar Aybek durchgeführt wurden (Abb. 1)[6]. Wissenschaftliche Ausgrabungen in der antiken Stadt begannen 2016 unter der Leitung von Mustafa Şahin im Auftrag des Archäologischen Museums Bursa[7]. Ab 2021 folgte die zweite, noch laufende Ausgrabungsperiode unter der Leitung von Derya Şahin.

 

Abb. 1: Allgemeiner Plan der antiken Stadt nach Serdar Aybek (Aybek – Öz 2008, 292 Zeichnung 1)

 

Am Südwesthang des Zambak-Hügels liegt das Theater (Abb. 1), das in griechischer Tradition den leichten natürlichen Anstieg des Geländes für den Zuschauerraum nutzt. Auch wenn die Strukturen des Baus gut erkennbar sind, hat sich nur wenig aufgehendes architektonisches Material erhalten, denn die meisten Bausteine des Theaters wurden als Spolien in der Stadtmauer wiederverwendet. Die Ausgrabungen im antiken Theater begannen im Jahr 2021 während der zweiten Grabungsperiode unter der Leitung von Derya Şahin (Abb. 2). Bislang konnten die gesamte östliche und westliche Parados-Mauer und die Orchestra mit einem Radius von 18 Metern freigelegt werden. Hellenistische und römerzeitliche Funde sowie der spätere Einbau einer Brüstung zwischen Orchestra und Cavea lassen auf zwei Bauphasen schließen: Das ursprünglich im Hellenismus errichtete Theater wurde in der römischen Kaiserzeit architektonisch umgestaltet[8].

Abb. 2: Das antike Theater in einer Drohnenansicht, Stand der Freilegung 2025 (Ausgrabungsfotoarchiv)

 

 

Abb. 3: mit * gekennzeichneter Fundort der neuen Münze im westlichen Parodos (Ausgrabungsfotoarchiv)

 

Während der Arbeiten im westlichen Parodos des antiken Theaters (Abb. 3) wurde 2024 im Sektor BP-1, im Bereich der nördlichen Erweiterung eine Münze (Inv.-Nr. AR24_TYTR_N01) gefunden, die sich zwar in das bekannte Bildrepertoire der städtischen Prägungen gut einfügt, aber dennoch einen bislang unbekannten Typ zeigt. Die Münze war ein Oberflächenfund, sie stammt aus einer Versturzschicht, die sich von den Zuschauerreihen in den seitlichen Zugang erstreckte und die kaiserzeitlich zu datieren ist.

 

Die neue Münze

Abb. 4: Fundmünze aus Apollonia mit Apollon & Artemis (Ausgrabungsfotoarchiv) [28 mm]

Vs. ΑΥ ΚΑ[Ι Μ ΑΥΡΗ] ΚΟΜ[ΜΟΔΟC]. Drapierte Panzerbüste des jugendlichen Commodus nach rechts, mit Lorbeerkranz, in der Rückenansicht

Rs. [ΑΠΟΛΛ]ΩΝΙΑΤΩΝ [Π]ΡΟCΥΝ]ΔΑ. Nackter Apollon steht im Kontrapost frontal mit leichter Wendung nach rechts, die Beine überschlagen, den linken Unterarm hat er auf eine kleine Säule aufgestützt, die rechte Hand in die Hüfte gestemmt. Ihm gegenüber und ihm zugewandt steht Artemis in einem kurzen gegürteten Gewand mit Stiefeln, die rechte Hand angewinkelt und erhoben, in der gesenkten linken Hand ein unklarer Gegenstand, ein vierbeiniges Tier zu ihren Füßen

AE, 9,65 g; 28 mm; ca. 180-182 n. Chr.

Die etwas beriebene Rückseitenlegende [ΑΠΟΛΛ]ΩΝΙΑΤΩΝ [Π]ΡΟϹ ΡΥΝ]ΔΑ lässt sich problemlos ergänzen und weist das Stück der lokalen Münzstätte zu, in der ein Großteil der Münzbilder Bezug nimmt auf Apollon. Unterschiedliche Darstellungsweisen[9] sprechen für verschiedene Aspekte des Stadtgottes, der sein Hauptheiligtum auf einer kleinen Insel im Ulubat Gölü hatte, auf der Kız Adası, etwas vor dem eigentlichen Stadtgebiet gelegen[10]. Verwendet wurde auf der neuen Münze ein für Apollonia am Rhyndakos geläufiges Standmotiv, das leicht abgeändert wurde: Der nackte ›angelehnte Apollon‹, der seinen linken Oberarm auf eine niedrige Säule stützt, findet sich seit Domitian im Repertoire von Apollonia und reicht bis zum Ende der städtischen Prägung unter Gallienus, Ausrichtung und Ansichtsseite können variieren[11]. Üblicherweise hat der Gott den anderen, den rechten Arm zurückgenommen und hält ihn leicht angewinkelt erhoben. In diesem Schema findet er sich solitär (Abb. 5) oder regelmäßig auch im Tempel (Abb. 6), was für einen Hinweis auf das lokale Kultbild spricht[12].

Abb. 5 (links): angelehnter Apollon unter Domitian (Berlin, Objektnummer 18268896 = RPC II Nr. 876/2) [25 mm]
Abb. 6 (Mitte): Apollon im Tempel (Berlin, Objektnummer 18269198 = RPC IV,2 Temp. Nr. 437/1) [38 mm]
Abb. 7 (rechts): Apollon mit Python (Berlin, Objektnummer 18269329 = RPC IV,2 Temp. Nr. 439/1) [31 mm]

Eine Variante des Standmotivs kennen wir von Prägungen, auf denen Apollon mit der Schlange Python erscheint (Abb. 7)[13]: Hier steht der Gott entspannt, den rechten Fuß locker vor das linke Standbein gelehnt, mit seinen rechten Ellbogen bzw. Unterarm stützt er sich auf die Säule, in der Hand hält er den Bogen, mit dem er Python erlegt hat (der todbringende Pfeil steckt im Kopf der Schlange), den linken Arm hat er zurückgenommen und angewinkelt, die Hand an die Hüfte gestützt. Es ist genau diese Haltung, die uns auch auf der neuen Münze begegnet – nur spiegelbildlich in die andere Richtung orientiert. Die Fundmünze aus Apollonia zeigt das einander zugewandte Geschwisterpaar Apollon und Artemis: Hier treffen zwei Gottheiten aufeinander, die miteinander agieren, keine starren Kultbilder. Der nackte Apollon begegnet uns ohne weitere Attribute, Artemis trägt ein kurzes Gewand und wird von einem vierbeinigen Tier begleitet, vermutlich einem Hund[14]. Die Objekte in den Händen der Göttin sind nicht erkennbar, sie hält die Rechte erhoben, evtl. mit einem Kranz, die Linke gesenkt, mit einer kurzen Fackel oder einem Pfeil. Beide Attribute würden nach Apollonia passen, Klarheit können hier nur weitere stempel- oder typengleiche Exemplare liefern. Eine Deutung als eine ›lebendigere‹ Schilderung des »Artemis-bekränzt-ihren-Bruder«-Typus, der sich seit Marc Aurel wiederholt auf sesterzgroßen Bronzen findet (Abb. 9)[15], liegt nahe. Dafür spricht neben der Kombination der beiden Geschwister und dem angenommenen Kranz in Artemis’ Hand auch Apollons Standmotiv, das wir von den Prägungen mit dem erlegten Python kennen (Abb. 7)). Der konkrete pythische Aspekt der Drachenbezwingung gehört wiederum auch zu den Großbronzen mit der Bekränzungsszene. Unsere (geldwerttechnisch und motivisch reduzierte) Variante bleibt jedoch ein Unikat – möglicherweise, weil diese Zweifigurengruppe bereits als Marker für ein deutlich größeres Nominal eingeführt war.

Abb. 8 (links): Apollon & Artemis auf der neuen Münze unter Commodus (Ausgrabungsfotoarchiv) [28 mm]
Abb. 9 (rechts): Apollon & Artemis unter Severus Alexander (Kunsthistorisches Museum Wien, Inv. GR 16080 = RPC VI Temp. No. 4164) [40 mm]

Während der Rückseitenstempel unserer Fundmünze eine neue Spielart präsentiert, ist der Vorderseitenstempel von anderen Prägungen aus Apollonia am Rhyndakos bekannt (Abb. 10). Er zeigt den jugendlichen Commodus mit leichtem Bartflaum; die Legende AV KAI M AVPHΛ – KOMMOΔOC nennt den Imperatoren-, aber nicht den Augustustitel; es wurde bereits Marcus als Praenomen verwandt, und auch der Lorbeerkranz weist auf den neuen selbstständigen Status des jungen Kaisers ab 180 n. Chr.[16].

Vorderseitenstempel wurden beim Prägevorgang weniger beansprucht, mussten also seltener ausgetauscht werden, gleichwohl ist es auffallend, wie viele verschiedene Rückseitenmotive mit diesem einen Vorderseitenstempel kombiniert wurden. Alle bislang erhaltenen Stücke gehören zu einer kleinen Emission in drei Nominalstufen (28mm / 26 mm / 21 mm), die in der Frühzeit der Alleinherrschaft des Commodus ausgegeben wurde; auf allen drei Nominalen fehlt dem Kaiser der Augustus-Titel. Es blieb die einzige, aber was Stempelqualität und Innovationspotenzial anlangt, sehr hochwertige Emission unter Commodus in Apollonia[17]. Auf den 28 mm-Stücken kombinierte man verschiedene Szenen aus dem vielschichtigen Apollon-Kontext mit derselben Vorderseite, neben unserem neuen Typ (Abb. 10a) sind es Apollon mit Daphne (Abb. 10b) sowie Apollon mit aufgestütztem Fuß und einem Raben (Abb. 10c).

= = =

Abb. 10: Stempelgleiche Vorderseiten von a) der neuen Fundmünze [28 mm], b) RPC IV,2 Temp. Nr. 450/4 (Leu Web 31 [07.09.2024] Nr. 841) [29,6 mm], c) RPC IV,2 Temp. Nr. 449/4 (Berlin, Objektnummer 18269401) [29 mm] und d) RPC IV,2 Temp. Nr. 451/1 (Berlin, Objektnummer 18269403) [28 mm]

  

Ausblick

Die bisherigen Münzfunde im Theater reichen von hellenistischer bis in byzantinische Zeit. Es handelt sich um Einzelfunde aus verschiedenen Schnitten und Schichten[18], die mit den Fundmünzen aus dem übrigen Stadtgebiet korrelieren[19]. Das zeitliche Spektrum ist groß, was für eine lange Nutzungsdauer des Ortes spricht. In ihrer regionalen Verteilung ist die Zusammensetzung des numismatischen Fundmaterials nicht überraschend, denn die Münzen stammen großenteils aus Apollonia selbst und der näheren Umgebung, was jeweils für regionalen Geldumlauf spricht[20]. Noch bleibt der Befund aufgrund der geringen Gesamtanzahl an dokumentierten Fundmünzen wenig aussagekräftig[21]. Der Anteil der Lokalprägungen aus Apollonia selbst unter den Funden ist erwartungsgemäß hoch; darunter sind einige bislang seltene Stücke und mit unserer Münze ein ganz neuer Typ[22], der das bisherige Typenspektrum der Stadt stimmig erweitert, wir dürfen gespannt sein, was weitere Grabungen zutage fördern.

 



[*] Das Manuskript wurde durch ein Forschungsprojekt der Universität Bursa Uludağ (Türkei) unter der Nummer SOA-2022-1127 (»Antik Kentlerin Kurulmasında İnancın Rolü: Apollonia A.R. Örneği”« [»Die Rolle des Glaubens bei der Gründung antiker Städte: Das Beispiel von Apollonia a.R.«]) unterstützt.

[1] »Roman Imperial Coinage« (RIC) fasst die Typen der römischen Reichsprägung zusammen, eine digitale Fassung wird unter numismatics.org/ocre bereitgestellt. Lokale und provinziale Münzen, die im Osten des Römischen Reichs als geldwirtschaftliche Komplemente dienten, werden im Projekt »Roman Provincial Coinage« (RPC) aufgearbeitet; Bde. I–III; IV,3; VII,1–2 und IX liegen gedruckt vor, digitale Versionen in unterschiedlichem Aufarbeitungsstand stehen für alle Teilbände unter rpc.ashmus.ox.ac.uk zur Verfügung. Für die Landschaften Thrakien und Moesien sowie Mysien und die Troas steht zudem das Corpus Nummorum www.corpus-nummorum.eu zur Verfügung.

[2] Kreative Neuerfindungen, die sich gut in das Typenrepertoire einpassen, aber trotzdem (scheinbare) Innovationen bringen, hat es immer gegeben; die technischen Fertigkeiten von Fälschern werden immer ausgefeilter, was es immer schwieriger macht, Fälschungen von authentischen Stücken zu unterscheiden.

[3] Zur Abgrenzung der Begrifflichkeiten in der Fundnumismatik Thüry 2016, bes. 3–5. 140–150.

[4] Abmeier 1990, 1–16.

[5] LeBas – Reinach 1888, 38–40 mit Taf. 47, s. auch Aybek – Dreyer 2016, 11 f.

[6] Aybek – Öz 2004, 1 -25; Aybek – Öz 2008, 285 - 298; Aybek – Öz 2009, 327 - 342; Aybek – Öz 2010, 313 - 328; Aybek-Dreyer 2016.

[7] Şahin 2016, 174–177.

[8] Şahin u. a. 2022, 579–602; Şahin 2023, 135–139; Şahin 2024, 305–311; Arın Ensarioğlu u. a. 2024, 220. Das Diazoma unterteilte die Cavea in zwei Ränge; eine Rekonstruktionszeichnung findet sich bei Şahin 2023, 148 Plan 2. Das Ausmaß der Cavea mit 75 m bereits z. B. bei Aybek – Öz 2008, 289 und Aybek – Dreyer 2016, 27.

[9] Neben dem ›angelehnten Apollon‹ begegnen der Kitharöde, Apollon mit aufgesetztem Fuß und Rabe, als Python-Bezwinger sowie die Schilderung des Daphne-Mythos, s.u. von Fritze 1913, 65 f. und Martin in Druck. Üblicherweise ist Apollon nackt, nur als Kitharöde trägt er ein Gewand, einige Szenen zeigen ihn mit wehender Chlamys an der Schulter.

[10] Hasluck 1910, 71; Aybek-Dreyer 2016, 20–23. Der Tempel konnte in der Antike offenbar nur per Boot erreicht werden. Zu den derzeit laufenden Arbeiten durch Derya Şahin und ihr Team: Şahin – Şahin 2025, 203–219.

[11] Unter Domitian RPC II Nr. 876; unter Gallienus: RPC X unassigned ID 61850 und ID 61855); s. auch Corso 2022, 413.

[12] Apollon im Tempel findet sich von Antoninus Pius (RPC IV,2 Temp. Nr. 425) und Marc Aurel (RPC IV,2 Temp. Nr. 437) über Septimius Severus (mit dem Porträt des jungen Caracalla: RPC V,2 unassigned ID 898), Geta (RPC V,2 unassigned ID 699) und Caracalla (RPC V,2 unassigned ID 1145), Maximinus Thrax (RPC VI Temp. Nr. 4168), Gordian III. (RPC VII,1 Nr. 66), Philippus Arabs (RPC VIII unassigned ID 20090) bis Gallienus (RPC X unassigned ID 61855); s. auch Corso 2022, 410 f. 414. Dass der Tempel auf der Münze vier Säulen hat, folgt numismatischen Konventionen (Reduktion der Säulenanzahl und Verbreiterung des Mitteljochs, um das Kultbild sichtbar zu machen) und lässt nicht auf die tatsächliche Architektur schließen.

[13] RPC IV,2 Temp. Nr. 439 (Vs. Faustina II.); RPC V,2 unassigned ID353 (Vs. Julia Domna) und RPC V,2 unassigned ID 1144 (Vs. Macrinus).

[14] Ob es sich um einen Jagdhund oder einen Hirsch handelt, ist aufgrund des Erhaltungszustandes nicht klar. Das hochbeinige Tier steht in Bewegungsrichtung nach links – entweder mit Blick nach links auf Apollon (dann wäre theoretisch ein Geweih an der beriebenen Fläche zwischen beiden Gottheiten ergänzbar), vermutlich aber mit zurückgewandtem Kopf. In diesem Fall wäre für ein Geweih kein Raum, sodass das Tier eher als Hund zu lesen ist. Wäre das Tier in ein lokales Narrativ eingebunden, wäre eine Orientierung auf Apollon vorstellbar. Wahrscheinlicher ist aber durch eine Rückwendung des Kopfes die Zugehörigkeit zu Artemis.

Artemis findet sich im kaiserzeitlichen Apollonia nur selten auf den städtischen Münzen und ohne tierischen Begleiter: abgesehen von den Großbronzen, auf denen sie ihren Bruder bekränzt, nur bei RPC IV,2 Temp Nr. 429. RPC IX Nr. 537A zeigt eine fackeltragende Göttin, die als Artemis Phosphoros bezeichnet wird (in hellenistischer Tradition, s. CN Typ 13140, wo Artemis mit einer Tellerfackel kombiniert wird). Wegen der (räumlichen und numismatischen) Nähe zu Kyzikos (die auch Hasluck 1906, 26. 29–32 hervorhebt) aber auch als ›suchende Demeter‹ verstanden werden könnte (die Kombination ›Fackeln und Demeter‹ ist in Apollonia in hellenistischer Zeit ebenfalls geläufig, s. CN Typ 13053).

[15] RPC IV,2 Temp Nr. 426 (Vs. Marc Aurel); RPC RPC V,2 unassigned ID 147 (Vs. Geta); RPC VI Temp Nr. 4164 (Vs. Severus Alexander); RPC VI Temp. Nr. 4167 (Vs. Maximinus Thrax). Dieser Typ findet sich ausschließlich auf dem größten Nominal, das die Stadt ausgegeben hat.

[16] 17. März 180 als dies imperii, Wechsel des Praenomens von Lucius zu Marcus im Oktober 180, dazu Kienast u. a. 2017, 140.

[17] Die Vorderseitenstempel der verschiedengroßen Nominale sind äußerst ähnlich und scheinen von derselben Hand geschnitten zu sein; außerdem weisen sie dieselbe Besonderheit bei der Schreibung des Kaisernamens auf: Beim Kappa von ΚΟΜΜΟΔΟC verspringen die unteren Hasten nach unten. Die Motive Liknophoros (RPC IV,2 Temp No. 25051 wurden einmalig und Pan mit Ziege (RPC IV,2 Temp No. 945) erstmals in dieser Emission ausgegeben.

[18] Jeweils vier Stücke stammen aus dem östlichen Parodos und dem Bereich der Orchestra, die übrigen aus verschiedenen Einzelbefunden.

[19] Akrın 2024 behandelt u. a. die 24 während der Kampagnen 2016–2023 am Ort gefundenen Münzen. Sein Fokus bei der inhaltlichen Auswertung liegt auf der Lokalprägung von Apollonia, daher berücksichtigt er im Katalog auch die städtischen Münzen im zuständigen Museum von Bursa (wohin regionale Funde verbracht werden) sowie sonstige publizierte Münztypen aus Apollonia.
Knapp die Hälfte der bestimmbaren Fundmünzen aus dem Theater sind kaiserzeitliche Stücke aus Apollonia am Rhyndakos selbst: AR22-N2 und AR25-N7 (RPC III Nr. 1598B), AR23-N15 (RPC IV,2 Temp Nr. 431), AR23-N20 (RPC X unassigned ID 61855), AR23-N17 (RPC X unassigned ID 61856).
Dazu kommen postume Alexanderbronzen aus den Münzstätten Amphipolis (AR21-N2) und Pella (AR23-N18), eine Bronze des Bithynischen Königs Prusias II. (AR23-N16), kaiserzeitliche Prägungen aus Aizanoi (AR22-N4 und AR25-N15), römische Reichsprägung des 3./4. Jhs. n. Chr.: Diocletian/Münzstätte Herakleia (AR23-N19), Constantinopolis-Prägung/Münzstätte Herakleia oder Nikomedeia (AR25-N3) sowie byzantinische Prägungen aus Constantinopolis (AR23-N31, AR23-N14, AR25-N1 und AR25-N2). Dazu kommt ein neuzeitlicher Nürnberger Rechenpfennig aus dem 19. Jahrhundert (
AR23 – N12).

[20] Das passt zu den Anmerkungen von Hasluck 1906, der im Gebiet um Kyzikos herum zu Beginn des 20. Jhs. Münzen erworben hatte; anhand des ›Angebots‹, das auf lokale Funde zurückging, schloss er auf regionale Umlaufgebiete. Methodisch in eine ähnliche Richtung geht die Auswertung der Münzsammlung von Jean und Louis Robert, die alle Erwerbungsorte während ihrer Forschungsreisen durch Kleinasien 1932–1963 genau dokumentiert hatten, s. dazu die Visualisierungen mit Karten von Fabrice Delrieux (»To Robert, however, the inherent interest of a coin lay not in its state of preservation or style, but its place of issue and place of acquisition; for he reasoned that since such pieces were never likely to have strayed far from their place of origin, their discovery would often provide clues as to the site of otherwise unlocated settlements and the actual range of circulation«, so Stanley Ireland in seiner Rezension von Delrieux 2011 in The Classical Review, N.S. 63/1, April 2013, S. 241).

[21] Zur Bedeutung der Fundmünzen für Fragen nach dem Münzumlauf im kaiserzeitlichen Kleinasien (die sich nach Bedeutung der Städte und dem Stand der Münzfund-Dokumentation richtet), s. Çizmeli-Öğün – Marcellesi 2011, s. bes. 328–342 die Karten Abb. 2–14; Howgego 2014.

[22] Neben unserer neuen Münze sind auch die beiden hadrianischen Münzen mit Apollon als Kitharöden AR22-N2 (FO: Abschnitt 8İ, bei Akrın 2024, 61 Kat. Nr. 11 noch unter Nerva gelistet) und AR25-N7 (FO: Nordseite des Bühnengebäudes) (= RPC III Nr. 1598B) im RPC online erst 2025 als nachträgliche Ergänzung verzeichnet und bislang nur durch eine Münze aus dem Handel bekannt gewesen.

 

Literaturauswahl

Abmeier 1990

A. Abmeier, Zur Geschichte von Apollonia am Rhyndakos, in: E. Schwertheim (Hrsg.), Mysische Studien, AMS 1 (Bonn 1990) 1–16.

Akrın 2024

M. Akrın, Apollonia ad Rhyndacum sikkeleri (Yüksek Lisans Tezi, Bursa Uludağ Üniversitesi 2024), abrufbar unter acikerisim.uludag.edu.tr/entities/publication/8111beef-d626-4325-ac87-946961f0d34e

Arın Ensarioğlu u. a. 2024

S. Arın Ensarioğlu – G. Kırlı Özer – D. Şahin – G. Gülsefa, Architecture, archaeology and multilayered cities: An interdisciplinary design workshop experience, in: IDA: International Design and Art Journal (Online) 6.2, 2024, 217–232. Open Access unter www.idajournal.com/index.php/ida/article/view/307

Aybek – Dreyer 2016

S. Aybek – B. Dreyer (Hrsg.), Der Archäologische Survey von Apollonia am Rhyndakos beim Uluabat-See und der Umgebung Mysiens in der Nordwest-Türkei 2006–2010. Orient & Occident in Antiquity 2 (Münster 2016)

Aybek – Öz 2004

S. Aybek – A. K. Öz, Preliminary Report of the Archaeological Survey at Apollonia ad Rhyndacum in Mysia, Anadolu/Anatolia 27, 2004, 1–25

Aybek – Öz 2008

S. Aybek – A. K. Öz, Apollonia ad Rhyndacum (Gölyazı) ve Ulubat Gölü Çevresi Yüzey Araştırması 2006 Yılı Raporu, 25. AST, 28 Mayıs – 1 Haziran 2007, Çanakkale (Ankara 2008) 285–298

Aybek – Öz 2009

S. Aybek – A. K. Öz, Ulubat Gölü Çevresi Yüzey Araştırması, 2007, 26. AST, 26–30 Mayıs 2008, Ankara (Ankara 2009) 327–342

Aybek – Öz 2010

S. Aybek – A. K. Öz, Ulubat Gölü Çevresi 2008 Yılı Yüzey Araştırmaları, 27. AST, 25–29 Mayıs 2009, Denizli (Ankara 2010) 313–328

Çizmeli-Öğün – Marcellesi 2011

Z. Çizmeli-Öğün – M.-Ch. Marcellesi, Réseaux d’échanges régionaux en Asie Mineure occidentale: l’apport des monnaies de fouilles, in: Th. Faucher – M.-Ch. Marcellesi – O. Picard (Hrsg.), Nomisma. La circulation monétaire dans le monde grec antique, BCH Supp. 53 (Athen 2011) 297–342

Corso 2022

A. Corso, Praxiteles’ Apollo Sauroctonus on Coins of Apollonia ad Rhyndacum, in: Özgen 2022, 407–426

Delrieux 2011

F. Delrieux, Les monnaies du Fonds Louis Robert (Académie des Inscriptions et Belles-Lettres) (Paris 2011)

von Fritze 1913

H. von Fritze, Die antiken Münzen Mysiens I. Abteilung: Adramytion – Kisthene (Berlin 1913)

Hasluck 1906

F. W. Hasluck, Notes on Coin-Collecting in Mysia, NumChron Ser. 4,6, 1906, 26–36

Hasluck 1910

F. W. Hasluck, Cyzicus. Being Some Account of the History and Antiquities of that City, and of the District Adjacent to it with the Towns of Apollonia ad Rhyndacum, Hadrianoutherae, Priapus, Zeleia, etc. (London 1910)

Howgego 2014

Ch. Howgego, Questions of Coin Circulation in the Roman Period, in: K. Dörtlük – O. Tekin – R. Boyraz Seyhan (Hrsg.), Proceedings of the first International Numismatic Congress of the Anatolian Monetary History and Numismatics (Antalya 2014) 307–317

Le Bas – Reinach 1988

Voyage archéologique en Grèce et en Asie Mineure sous la direction de M. Ph. Le Bas membre de l’institut (1842–1844), publiées et commentées par S. Reinach (Paris 1888)

Kienast u. a. 2017

D. Kienast – W. Eck – M. Heil, Römische Kaisertabelle. Grundzüge einer römischen Kaiserchronologie 6(Darmstadt 2017)

Martin in Druck

K. Martin, Münzprägung, in: M. Şahin E. Schwertheim, Apollonia am Rhyndakos. Testimonien, Numismatik, Archäologie und Epigraphik, AMS 109, in Druck

Özgen 2022

H. M. Özgen (Hrsg.), Balıkesir Arkeoloji Buluşmaları 2021 – Mysia ve Çevre Kültürleri 2021 Bildiriler Kitabı (Istanbul 2022)

Şahin 2023

D. Şahin, Apollonia ad Rhyndacum Kazıları – 2021, 42. Uluslararası Kazı, Araştırma ve Arkeometri Sempozyumu, Denizli, Türkiye, 23–27 Mayıs 2022, cilt 2 (Ankara 2023) 135–148. Online unter ukaas.ktb.gov.tr/Eklenti/115175,42kazi2pdf.pdf?0

Şahin 2024

D. Şahin, Apollonia a. R. Kazıları – 2022, 43. Uluslararası Kazı, Araştırma ve Arkeometri Sempozyumu, Ankara, Türkiye, 16–20 Ekim 2023, cilt 1 (Ankara 2024) 305–318

Şahin 2016

M. Şahin, Bursa ve İlçeleri Arkeolojik Kültür Envanteri II, Nilüfer İlçesi I (Bursa 2016)

Şahin u. a. 2022

M. Şahin – D. Şahin – G. Gülsefa, Apollonia ad Ryndacum Antik Kenti ve 2021 Yılı Tiyatro Kazıları Ön Raporu, in: Özgen 2022, 579–602

Şahin – Şahin 2025

D. Şahin – M. Şahin, Apollo Daphnousios Sanctuary at Kiz Island, Parseh Journal of Archaeological Studies 9,33, 2025, 203–219 Online abrufbar unter doi.org/10.61882/PJAS.01.1282 (derzeit nicht erreichbar) sowie unter avesis.uludag.edu.tr/yayin/29f85c68-6067-4b2c-a521-d44025d63c69/kiz-ada-apollo-daphnousios-kutsal-alani