Öffentlicher Protestantismus in polarisierten Zeiten

Zur praktisch-theologischen Deutung der neuen EKD-Friedensdenkschrift

Autor/innen

DOI:

https://doi.org/10.17879/zpth-2026-9778

Abstract

Die EKD-Friedensdenkschrift lässt sich nur dann angemessen verstehen, wenn man sie als Dokument liest, das die drei Dimensionen evangelischen Christseins als individuellem, kirchlichem und öffentlichem Protestantismus in ihrem Zusammenhang, aber auch in ihrer Unterschiedenheit adressiert. Das Programm des Öffentlichen Protestantismus versucht dieser Mehrdimensionalität des evangelischen Christentums Rechnung zu tragen. Es eröffnet damit zugleich eine Perspektive, in der deutlich wird, dass die Denkschrift nicht zuerst die Kirche als monologische Vertreterin eines politischen Evangeliums in Stellung bringen will, sondern die Voraussetzungen jener öffentlichen Urteilskultur zu stärken intendiert, in der Protestantinnen und Protestanten als Bürgerinnen und Bürger, als Entscheidungsträger:innen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik und als Mitglieder einer Kirche Verantwortung wahrnehmen. Dazu wird zunächst die Unterscheidung von individuellem, kirchlichem und öffentlichem Protestantismus als Interpretationsschlüssel für die Friedensdenkschrift ausgearbeitet. Anschließend wird aufgezeigt, welche Bedeutung der ethischen Fassung des trinitarischen Gottesgedankens als dem Proprium des Christentums für eine Ethik des Politischen zukommt. Sie ermöglicht eine Klugheitsethik, die sich den Herausforderungen der Güterabwägung stellt und das Verbindende in den Vordergrund rückt. In einem letzten Schritt wird danach gefragt, welche Folgen sich daraus für den besonderen Beitrag der Kirche als Organisation in den Diskursen über den richtigen Weg zur Sicherung des Friedens ergeben. Praktisch-theologisch sind vor allem Bildung, Diskurs, Resilienz und die Bearbeitung von Polarisierung als Aufgaben im Sinne der Friedensdenkschrift zur Geltung zu bringen.


The EKD Peace Memorandum can only be properly understood if it is read as a document that addresses the three dimensions of Protestant Christianity—individual, ecclesial and public Protestantism—in their interconnectedness, but also in their distinctiveness. The programme of Public Protestantism seeks to take account of this multidimensionality of Protestant Christianity. In doing so, it simultaneously opens up a perspective in which it becomes clear that the memorandum does not primarily seek to position the Church as a monological representative of a political gospel, but rather aims to strengthen the foundations of a specific public culture of discernment in which Protestants assume responsibility as citizens, decision-makers in society, economy and politics, and church members. To this end, the distinction between individual, ecclesiastical and public Protestantism is first elaborated as a key to interpreting the peace memorandum. Subsequently, the significance of the ethical formulation of the Trinitarian concept of God—as the distinctive feature of Christianity—for an ethics of the political is demonstrated. It enables an ethics of prudence that confronts the challenges of weighing interests and brings what unites us to the fore. In a final step, the question is raised as to what consequences this has for the Church’s unique contribution as an organisation to the debates on the right path to securing peace. From a practical-theological perspective, education, dialogue, resilience and addressing polarisation should be highlighted as key tasks in line with the peace memorandum.

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Veröffentlicht

2026-06-29

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