Mit Habermas in der Ukraine
Was die (deutschsprachige) Katholische Theologie durch die Interventionen des Philosophen über sich selbst lernen kann
DOI:
https://doi.org/10.17879/zpth-2026-9785Abstract
Jürgen Habermas‘ Positionierungen zur angemessenen Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine werden kontrovers diskutiert. Die Haltung des Philosophen, der eine „gedankenlose[ ] Kriegsbereitschaft“ kritisiert, gründet in seiner „Theorie des kommunikativen Handelns“, mit der er auch die deutschsprachige Katholische Theologie stark geprägt hat. So erklärt sich, dass die (auch Praktische) Theologie in zwei Bereichen Forschungsrückstände aufzuholen hat, die als Lücken in Habermas‘ Argumentation zum Ukraine-Krieg aufgezeigt werden können: Postkolonialismus und Machtkritik. Nach dieser Erkenntnis ist eine alternative habermasianische Positionierung zu Putins Krieg denkbar, welche erfordert, die Ukraine im Kampf gegen den Aggressor stärker zu unterstützen.
Jürgen Habermas’ positions on the appropriate response to Russia‘s war of aggression against Ukraine are the subject of controversial debate. The philosopher‘s stance—in which he criticizes a “thoughtless readiness for war”—is based on his “theory of communicative action,” which has also had a strong influence on German-language Catholic Theology. This explains why (also Practical) Theology has some catching up to do in two areas of research, which can be identified as gaps in Habermas‘ argumentation on the war in Ukraine: postcolonialism and the critique of power. Considering this, an alternative Habermasian position on Putin’s war is conceivable, one that requires stronger support for Ukraine in its fight against the aggressor.
