Mit Empirie auf Mythenjagd
DOI:
https://doi.org/10.17879/sun-2026-10288Keywords:
Symposium zu Emanuel Deutschmann – Die ExponentialgesellschaftAbstract
Norbert Elias (1996: 54) beschrieb die „Mythenjagd“ als zentrale Tätigkeit der Soziologie. Diese sei eine Daueraufgabe, da von Gruppen innerhalb und außerhalb der Wissenschaften „wissenschaftliche Theorien selbst häufig genug in Glaubenssysteme“ verwandelt würden (Elias 1996: 54). Ein Glaubensaxiom moderner Gegenwartsgesellschaften, dem sowohl innerhalb der (Wirtschafts-)Wissenschaften als auch der Politik ein mystischer Status zukommt, ist die Idee des Wachstums. Zwar hatte Wachstum infolge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise um die 2010er Jahre sowie mit der sich verschärfenden Klimakrise zwischenzeitlich an Legitimität verloren, doch gilt es heute wieder als unhinterfragtes Ziel politischer und wirtschaftlicher Akteure. Dabei wird insbesondere dem ökonomischen Wachstum, also der Zunahme der marktwirtschaftlichen Austauschbeziehungen zwischen den Menschen, höchst unterschiedliche heilsbringende Funktionen zugesprochen: Sei es die Eindämmung des nationalistisch-autoritären Populismus, die Begleichung der Staatsschulden, die Schaffung der finanziellen Voraussetzungen für die ‚grüne Transformation‘ oder die Generierung von Arbeitsplätzen und Wohlstand allgemein – all dies könne nur durch Wachstum erreicht werden.
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